Industriekultur Live

Als im Juli 1972 die Blödelbarden Schobert & Black in dem satirischen Lied „Fortuna, Fummel & Sohn“ den „Harten der Harten nur“ so etwas Absurdes empfahlen, wie mit „Schlafsack und Campingsack“ in Gelsenkirchen-Buer Urlaub zu machen, da wussten sie noch nicht, was seit 2010 in Bottrop-Ebel möglich ist.

Seit dem Kulturhauptstadtjahr können dort Benutzer des Emscher-Radweges in zu kleinen Wohneinheiten umgebauten Kanalisations-Röhren übernachten. Das kuriose Hotel gehört zum BernePark, einer unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Kläranlage. Deren Maschinenhaus mit seinen beiden zu Teich und Pflanzbeet umgebauten Klärbecken sieht heute fast wie ein barockes Luftschlösschen aus und beherbergt neben einem Industriemuseum auch ein Restaurant, das seit letztem Jahr von Johannes Lensing geführt wird. Restaurantfreunden ist der gebürtige Bueraner noch aus der heute nicht mehr existenten Bochumer Stadtparkgastronomie oder der Loemühle in Marl bekannt. Eine Zeit lang verbrachte er auch in der Pfalz und kam nun ins Ruhrgebiet zurück, um die Küchenverantwortung im Maschinenhaus zu übernehmen.
Eine volkstümliche, dem Charakter des Ausflugziel entsprechende Küche bietet er hier an, mit Ebeler Kartoffelsuppe mit Mettwurst und Croutons (5,50 Euro), Brathering mit Zwiebeln, Bratkartoffeln und Salat (9,80 Euro) oder Schweinefilet mit einer Kruste aus grobem Senf und Kräutern, Schalottensauce, Karottengemüse und Potthucke (15,50 Euro). Wichtig ist ihm dabei, dass er frische Produkte aus der Region verwendet und sich so das Ruhrgebiet in den Gerichten widerspiegelt. Zur kulinarischen Hochform läuft er bei Menü-Aktionen auf. Das war zum Test-Zeitpunkt sein Beitrag zum Menue-Karussell, das neuerdings auch im Emscher-Lippe-Raum stattfindet. Das viergängige Menü zu 35 Euro war geradezu ein Schnäppchen: kreativ gekocht, witzig angerichtet und zudem zusätzlich mit einem Amuse gueule eingeleitet, das anderswo als eigener Gang gegolten hätte. Das getrüffelte Kartoffelsüppchen war ein Gläschen voll hocharomatischer, mit einem knusprigen Nacho gekrönter Luft, das Appetit auf mehr machte. Großartig die Weine, die Johannes Lensing zum Menü ausgesucht hatte, ein Sauvignon blanc Russbach aus Rheinhessen und ein spanischer Tempranillo Rejadorada. Witzig dann der erste Gang: Mausohrensalat. Keine Angst, hier musste man nicht die niedlichen Lauscher der putzigen Nager verspeisen, sondern das ist eine Bezeichnung für Feldsalat. Garniert war er mit einem Dressing von Kürbiskernöl und Sherryessig und nicht weniger witzigen Salinos aus Walgussweingummi und einer schön gebratenen Wachtelbrust. Etwas unscheinbarer aber auch sehr lecker, war das nun folgende Süppchen von roten Linsen mit Crevetten und Lauch. Für den imposanten Hauptgang wurden zartes Schweinefilet, Rauke und Schinken in ein dünnes Blatt aus Brickteig und dieser Wrap aufrecht auf ein Kartoffel-Schalotten-Rösti mit Pommerysenfsauce gesetzt, schön anzusehen und ausgewogen im Geschmack. Ein wenig mächtig war hingegen das Dessert, ein Törtchen von Feigen, Mohn und Schokolade und einem etwas salzigem Erdnuss-Crumble-Eis.

Industriekultur Live Platz 6

Überblick: Ruhrgebiet geht aus 2014/2015

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